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Welches Heu bei Hufrehe?

Wissenschaftlich fundierte Empfehlungen zur richtigen Heuwahl.
29. Juli 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser

Für Pferde mit Hufrehe ist die Wahl des richtigen Heus einer der wichtigsten Bausteine der Therapie und Vorbeugung. Gleichzeitig kursieren zahlreiche Schlagworte – vom "späten Schnitt" bis zum "zuckerfreien Heu". Die wissenschaftliche Evidenz zeigt jedoch: Entscheidend sind nicht einzelne Schlagworte, sondern die analysierte Futterqualität, der Zuckergehalt, die Energieversorgung und die gesamte Fütterungsstrategie.

Welches Heu ist bei Hufrehe geeignet?
Für Pferde mit Hufrehe eignet sich ein hygienisch einwandfreies, strukturreiches Heu mit niedrigem Gehalt an leicht verfügbaren Kohlenhydraten (NSC), moderatem Energiegehalt und nach Möglichkeit einer Heuanalyse.

Entscheidend ist dabei nicht der erste oder zweite Schnitt, sondern die tatsächliche Zusammensetzung des Heus.


Warum spielt Heu bei Hufrehe eine so grosse Rolle?
Die meisten heutigen Hufreheerkrankungen stehen mit einer Insulindysregulation in Zusammenhang. Besonders Pferde mit

  • Equinem Metabolischen Syndrom (EMS)
  • PPID (Cushing)
  • Übergewicht
reagieren empfindlich auf hohe Zuckergehalte (Glucose, Fructose, Saccharose, Fruktane) und Stärkegehalte im Futter.


Die wissenschaftlichen Leitlinien der European College of Equine Internal Medicine (ECEIM) empfehlen deshalb eine konsequente Reduktion der Aufnahme nicht-struktureller Kohlenhydrate (NSC).

Welche Rolle spielt Fruktan?
Fruktan ist ein pflanzlicher Reservestoff und gehört zu den wasserlöslichen Kohlenhydraten (WSC). Besonders Gräser speichern Fruktan als Energiereserve. Der Gehalt schwankt jedoch stark und wird von zahlreichen Faktoren beeinflusst – unter anderem Pflanzenart, Sonneneinstrahlung, Temperatur, Trockenstress, Düngung und Erntezeitpunkt.

Fruktan spielt bei der Entstehung von Hufrehe eine entscheidende Rolle. Experimentelle Studien konnten zeigen, dass hohe Fruktanmengen eine Hufrehe auslösen können, indem sie die mikrobielle Zusammensetzung des Dickdarms verändern, den pH-Wert absenken und Entzündungsprozesse fördern. Diese Modelle dienten wesentlich dazu, die Krankheitsmechanismen der Hufrehe besser zu verstehen (Pollitt & van Eps, 2006).

Gleichzeitig zeigt die heutige Forschung, dass die Mehrzahl der Hufrehefälle nicht durch Fruktan allein verursacht wird. Rund 90 % der Fälle stehen heute mit einer Insulindysregulation im Zusammenhang, beispielsweise beim Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) oder bei PPID (Cushing). In diesen Fällen ist die gesamte Aufnahme nicht-struktureller Kohlenhydrate (NSC) – also Zucker und Stärke – entscheidend für die Insulinantwort des Pferdes.

Fruktan sollte deshalb immer beurteilt werden, jedoch nicht isoliert. Für die Auswahl eines geeigneten Pferdeheus sind sowohl der Fruktangehalt als auch die gesamten Zucker- und Stärkegehalte sowie die individuelle Stoffwechselsituation des Pferdes zu berücksichtigen. Eine Heuanalyse liefert hierfür die zuverlässigste Grundlage.

Welche Werte sollte Heu bei Hufrehe haben?
Folgende Orientierungswerte, aufgestellt von internationalen Experten zur Fütterung insulinresistenter Pferde, gelten heute als sinnvoll:

  • NSC (Zucker + Stärke) <10 % der Trockenmasse
  • Fruktan <5 % der Trockenmasse
  • Wasserlösliche Kohlenhydrate (WSC) möglichst tief
  • Stärke möglichst niedrig
  • Energie moderat
  • Rohfaser / Struktur hoch
  • Hygiene einwandfrei

Ist der erste oder zweite Schnitt besser?
Der Schnittzeitpunkt allein sagt praktisch nichts über die Eignung eines Heus für Hufrehe aus.

Der Zuckergehalt wird unter anderem beeinflusst durch:

  • Pflanzenbestand
  • Wetter
  • Sonneneinstrahlung
  • Nacht- und Tagestemperaturen
  • Düngung
  • Erntezeitpunkt
  • Trocknung
  • Lagerung

Ein später erster Schnitt kann mehr Zucker enthalten als ein früher zweiter Schnitt.
Nur eine Heuanalyse liefert Sicherheit.

Für Pferde mit Insulindysregulation sind insbesondere die nicht-strukturellen Kohlenhydrate (NSC) entscheidend. Diese setzen sich in der Praxis hauptsächlich aus Zucker und Stärke zusammen.

Die Leitlinien empfehlen deshalb kein pauschales "zuckerarmes" Heu, sondern ein Heu mit analysiert niedrigem NSC-Gehalt.

Wir alle müssen jedoch mit dem Naturprodukt Heu auskommen, es gibt saisonale Schwankungen und jede Parzelle weist andere Analysewerte aus. 

Was können wir in der Praxis optimieren?

KriteriumHeu einweichenHeu bedampfen
HauptzielZucker auswaschenStaub, Schimmel und Keime reduzieren
Zucker (WSC)✓ Deutliche Reduktion möglich (stark abhängig von Heu, Wassertemperatur und Einweichdauer)△ Geringe Reduktion (ca. 10–20 %) (ScienceDirect)
Fruktan✓ Kann teilweise ausgewaschen werden△ Kaum Einfluss
Staubbelastung✓ Deutlich reduziert✓✓ Sehr starke Reduktion (>99 %) (ScienceDirect)
Schimmelpilze✗ Keine zuverlässige Reduktion✓ Bis zu 99 % Reduktion (ScienceDirect)
Bakterien✗ Können deutlich zunehmen✓ Bis zu 99 % Reduktion (ScienceDirect)
Mineralstoffe✗ Teilweise erhebliche Verluste (Kalium, Natrium, Magnesium u.a.)✓ Bleiben weitgehend erhalten (Cambridge)
ProteinGeringe Verluste möglichWeitgehend unverändert (PLOS)
Hygienische QualitätKann sich verschlechternVerbessert sich deutlich (PLOS)
ArbeitsaufwandHochMittel
WasserverbrauchHochGering
KostenNiedrigHöher (Anschaffung Steamer)

Die Zuckerreduktion fällt sehr unterschiedlich aus. Manche Heuproben verlieren kaum Zucker. Gleichzeitig gehen Mineralstoffe und andere Nährstoffe verloren. Das Einweichwasser sollte entsorgt und der Bedampfer nach jeder Anwendung geputzt werden. Nasses oder bedampftes Heu sollte unmittelbar verfüttert werden.

Deshalb ersetzt Einweichen oder Bedampfen keine Heuanalyse.
Die Forschung empfiehlt, wenn möglich direkt ein geeignetes Heu auszuwählen statt sich ausschliesslich auf das Einweichen zu verlassen.

Ist mageres Heu automatisch besser?
Viele Pferdehalter setzen "mager" mit "gesund" gleich. Ein sehr energiearmes Heu kann zwar für übergewichtige Pferde sinnvoll sein, gleichzeitig muss es aber weiterhin

  • genügend Struktur liefern,
  • hygienisch hochwertig sein,
  • ausreichend Eiweiss enthalten,
  • eine gute Verdaulichkeit besitzen.

Einseitig "mageres" Heu kann zu anderen Problemen führen. Die Auswahl muss deshalb immer zum einzelnen Pferd passen.

Welche Rolle spielt die Heuanalyse?
Eine Laboranalyse ist heute die umfassendste Grundlage. Jedoch braucht ein Labor 10-25 Tage für eine Analyse, in Zeiten mit vielen Anfragen unter Umständen noch länger. Deswegen empfehlen wir für eine schnelle Reaktionsmöglichkeit mit mobile NIRS-Messung im Stall in Echtzeit. Auch damit lässt sich beurteilen, ob ein Heu tatsächlich für ein hufrehegefährdetes Pferd geeignet ist. 

Gerade bei EMS- oder PPID-Pferden empfehlen Experten ausdrücklich regelmässige Analysen - nicht nur vom Heu sondern auch vom Gras. 

BEST OF HORSE HAY vermietet das mobile NIRS-Analysegerät. Auch eine Analyse innert 24 Stunden per Post ist bei BEST OF HORSE HAY möglich.

Heuanalyse im Stall BEST OF HORSE HAY

Raufutteranalyse BEST OF HORSE HAY

Fazit
Das beste Heu für Pferde mit Hufrehe ist nicht zwangsläufig der erste Schnitt oder besonders spätes Heu, sondern ein analysiertes, hygienisch hochwertiges, strukturreiches und energieangepasstes Heu mit niedrigem NSC-Gehalt.

Wer ausschliesslich nach "spätem Schnitt" oder "wenig Zucker" kauft, greift häufig zu kurz. Erst die Kombination aus Heuanalyse, Fütterungsmanagement und individueller Beurteilung des Pferdes ermöglicht eine wirklich bedarfsgerechte Versorgung.


Gerade bei Pferden mit EMS oder PPID kann die richtige Heuwahl einen entscheidenden Beitrag leisten, das Risiko weiterer Hufreheschübe nachhaltig zu reduzieren.

Aus wissenschaftlicher Sicht gilt daher: Prophylaxe ist das beste - Pferde sollten erst gar nicht so dick werden, damit Folgeerkrankungen zu vermeiden. Die beste Lösung ist die Auswahl eines hygienisch hochwertigen und bedarfsgerecht analysierten Raufutter. Möchtest du wissen, welches Heu zu deinem Pferd passt? Alles zu einer art- und bedarfsgerechten Fütterung findest du hier.

Wissenschaftliche Quellen

Macon K. et al. Diagnosis and Management of Equine Metabolic Syndrome. Equine Veterinary Education, 2026.
Durham A.E. et al. ECEIM Consensus Statement on Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2019.
Frank N. et al. Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine, 2010.
Lindahl C. et al. Methods for Reduction of Water Soluble Carbohydrates in Grass Forages for Horses. Animal Feed Science and Technology, 2016.
University of Minnesota Extension. Soaking Your Horse's Hay.

Longland A.C. et al. Forage and Pasture Management for Laminitic Horses. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice.

Pollitt, C.C. & van Eps, A.W. (2006). Equine laminitis: a revised pathophysiology. Veterinary Clinics of North America: Equine Practice.
Durham, A.E. et al. (2019). ECEIM Consensus Statement on Equine Metabolic Syndrome. Journal of Veterinary Internal Medicine.
Geor, R.J., Harris, P.A. & Coenen, M. (2013). Equine Applied and Clinical Nutrition. Elsevier.

Longland, A.C. & Byrd, B.M. (2006). Pasture non-structural carbohydrates and equine laminitis. Journal of Nutrition.


BEST OF HORSE HAY Die Nr1 für pferdegerechtes Raufutter© Alle Rechte vorbehalten, BEST OF HORSE HAY

Weitere Informationen: www.bestofhorsehay.com


BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser 29. Juli 2026
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