„Ein Pferd kann gar nicht zu viel Heu fressen.“
- Körpergewicht und Pferdetyp
- Raufutterart
- Nutzung
- Inhalts- und Nährstoffgehalte
- NDF-Gehalt
- Qualität und Verdaulichkeit des Raufutters
- Weidezugang
- Haltung und Management
Annahme: Heu mit 88 % Trockensubstanz (TS)
| Aufnahme in % des Körpergewichts | Körpergewicht | Aufnahme TS/Tag | Tatsächliche Heumenge/Tag |
|---|---|---|---|
| 2,0 % TS | 500 kg | 10,0 kg TS | ca. 11,4 kg Heu |
| 2,5 % TS | 500 kg | 12,5 kg TS | ca. 14,2 kg Heu |
Der Unterschied: Bereits eine freiwillige Aufnahme von 2,5 statt 2,0 % bedeutet bei einem 500-kg-Pferd rund 2,8 kg mehr Heu pro Tag.
Wichtig: 2 % sind keine automatische Obergrenze. Wie viel ein Pferd tatsächlich frisst, hängt unter anderem von Heuqualität, Fasergehalt, Verdaulichkeit, Energiegehalt, Pferdetyp und Haltung ab.
Gleich viel Heu – deutlich unterschiedliche Energieaufnahme
| Heu A – energieärmer | Heu B – energiereicher | |
|---|---|---|
| Energiegehalt | 5 MJ/kg TS | 7 MJ/kg TS |
| Aufnahme pro Tag | 12 kg TS | 12 kg TS |
| Energieaufnahme pro Tag | 60 MJ | 84 MJ |
| Unterschied | + 24 MJ/Tag |
Das Beispiel ist bewusst vereinfacht, zeigt aber das Grundproblem sehr gut: Das Pferd frisst bei beiden Heupartien exakt dieselbe Menge – nimmt mit Heu B aber 40 % mehr Energie auf.
👉 Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur: „Wie viel Heu frisst mein Pferd?“ – sondern: „Was steckt in diesem Heu?“
- Kauen,
- Speichelproduktion,
- Beschäftigung und
- eine möglichst kontinuierliche Beschäftigung, d.h. keine längeren Fresspausen aus 5 Std., des Verdauungstraktes.
- ein Sportpferd,
- ein Pferd im Wachstum,
- eine laktierende Stute,
- ein Senior,
- ein schwerfuttriges Pferd
- oder ein Pferd mit erhöhtem Energiebedarf.
- Wie viel Trockensubstanz enthält das Heu?
- Wie hoch ist sein Energiegehalt?
- Wie gut ist es verdaulich?
- Wie hoch sind Zucker beziehungsweise wasserlösliche Kohlenhydrate?
- Wie hoch sind NDF, ADF und Rohprotein?
- Wie ist die hygienische Qualität?
Ad libitum ist deshalb kein Synonym für „unbegrenzt Kalorien“
- möglichst lange und natürliche Raufutteraufnahme und
- eine Energie- und Nährstoffzufuhr, die zum individuellen Pferd passt.
- Leishman EM, Sahar M, Cieslar S, Darani P, Ellis JL (2024):What the hay: predicting equine voluntary forage intake using a meta-analysis approach.Animal 18(9):101266. Die Meta-Analyse umfasst 61 Publikationen und zeigt den Einfluss von Raufutterqualität, NDF, Rohprotein, Raufutterart und Tierfaktoren auf die freiwillige Aufnahme.
- Dulphy JP et al. (1997):Compared feeding patterns in ad libitum intake of dry forages by horses and sheep. Livestock Production Science 52:49–56. Die Pferde nahmen im Mittel etwa 20 g Trockensubstanz/kg Körpergewicht auf; die Aufnahme variierte mit dem Raufutter.
- Durham AE et al. (2019):ECEIM consensus statement on equine metabolic syndrome.Journal of Veterinary Internal Medicine 33:335–349. Wissenschaftlicher Konsensus zu EMS, Gewichtsmanagement, Energie- und Raufutterrestriktion.
- Murray MJ, Eichorn ES (1996):Effects of intermittent feed deprivation, intermittent feed deprivation with ranitidine administration, and stall confinement with ad libitum access to hay on gastric ulceration in horses.American Journal of Veterinary Research 57:1599–1603. Untersuchung zum Einfluss von Futterentzug auf Magenschleimhautläsionen.
- McGreevy PD et al. (2001):Understanding equine stereotypies.Equine Veterinary Journal. Beschreibt unter anderem den Zusammenhang zwischen geringer Raufutterbereitstellung, Haltung und stereotypem Verhalten.
- Jansson A et al. (2021):Straw as an Alternative to Grass Forage in Horses – Effects on Post-Prandial Metabolic Profile, Energy Intake, Behaviour and Gastric Ulceration.Animals. Untersuchung zum teilweisen Ersatz von Grasraufutter durch Weizenstroh und dessen Einfluss auf Energieaufnahme, Fresszeit und Stoffwechsel.
Man muss das Heu nicht selbst produzieren, um die Gesundheit des Pferdes positiv zu beeinflussen. Wer Raufutter versteht, erkennt Zusammenhänge früher, stellt die richtigen Fragen und trifft bessere Entscheidungen – zum Wohl seines Pferdes.
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