Fachliche Einordnung zweier Raufutteroptionen für das Pferd
Die Frage, ob Heu oder Heulage die „bessere“ Raufutterquelle für Pferde darstellt, wird in Praxis, Social Media und Fachkreisen intensiv diskutiert.
Es ist bedenklich, dass diese Frage erst dann auftritt, wenn Pferde bereits chronische Atemwegserkrankungen haben. Denn es gilt grundsätzlich für alle Pferde:
Die fachliche Frage „Heu oder Heulage – was ist besser?“ lässt sich nicht mit einem einfachen „entweder–oder“ beantworten. Heu und Heulage sind beide grundsätzlich wertvolle Raufutterquellen, deren Eignung sich aus einer Kombination von Staub-, Sporen- und Endotoxinlast, Futterhygiene, Lagerungsbedingungen, Kohlenhydratgehalten und dem individuellen Gesundheitsstatus des Pferdes ergibt.
Die Diskussion kommen immer in Zusammenhang mit Pferden, die bereit eine Vorgeschichte haben, meist eine sehr lange. Wie akuter husten oder sogar mit chronischen Atemwegserkrankungen wie equinem Asthma sowie auch bei stoffwechselkranken oder rehegefährdeten Tieren, für die die Staubbelastung und Kohlenhydratgehalt des Futters zentrale Parameter sind. Jedoch auch für alle anderen - noch - unauffälligen Pferde gelten die gleichen Aspekte. Wer weiss, wie lange es braucht bis eine chronische Erkrankung besteht oder eine Allergie sich entwickelt, sollte sich schon frühzeitig mit der Raufutterqualität im Ganzen befassen. Denn Sorgfalt ist immer besser als "defektes" reparieren zu wollen.
Wir haben zentrale Aspekte aus wissenschaftlichen Studien zusammengefasst und ordnen verbreitete Vorurteile in den aktuellen fachlichen Kontext ein.
Heu und Heulage/Haylage
Herstellungsunterschiede und physikalische Eigenschaften
| Kriterium | Heulage / Haylage | Heu |
|---|---|---|
| Staubentwicklung | deutlich geringer | höher |
| Schimmel‑/Bakterien-belastung (bei intakter Verpackung) | meist deutlich niedriger direkt nach Öffnen | variabel, oft höher |
| Endotoxine (Atemzone) | tendenziell niedriger gemäss Studien | meist höher |
| Haltbarkeit nach Öffnen | begrenzt (bei Wärme oft 12–24 h) | lange, solange trocken und sauber gelagert |
| Risiko bei mangelhafter Lagerung | Fehlgärung, Qualitätsverlust, erhöhter Keimgehalt | Schimmelbildung bei Feuchtlagerung |
| Wirkung auf Atemwege (leicht erkrankte/gesunde Pferde) | oft Reduktion von Entzündungszellen (Neutrophilen) | Anstieg der Belastung je nach Qualität möglich, bei dauerhaft schlechter Qualität kann nach einiger Zeit eine Allergie entstehen. |
| Wirkung bei hochgradig asthmatischen Pferden | Daten positiv für Entzündungsmarker; Lungenfunktionsdaten lückenhaft | bei staubigem Heu Risiko für Exazerbation |
| Praktikabilität im Alltag | sehr gut (wenig staub), aber Organisation nötig (Frische nach Öffnen) | einfach zu lagern, mehr Handhabung gegen Staub nötig |
| Fütterungsverträglichkeit (Kot/Packung, Darm) | häufiger Kotwasser in Einzelfällen; Mikrobiota ändert sich, wie auch bei allen anderen Futterumstellungen | meist stabiler Kotbild, aber qualitativ abhängig Veränderung bei Futterumstellungen auf Gras |
| Risiko Botulismus / Vergiftungen | selten | genauso wie bei Haylage möglich |
Risiko Karies | wissenschaftlich nicht bestätigt | |
Risiko Übersäuerung | wissenschaftlich nicht bestätigt | |
Risiko Hufrehe | wissenschaftlich nicht bestätigt | |
| Geeignet für hustende Pferde | sehr gute Option | weniger geeignet ohne zusätzliche Massnahmen |
Damit wird klar, dass konsequente Qualitätskontrolle wichtiger ist als die Grundentscheidung „Heu versus Heulage“: Raufutter, das gut riecht, hygienisch einwandfrei ist, wenig staubt und zur Stoffwechselsituation des Pferdes passt – unabhängig davon, ob es Heu oder Heulage ist – ist improvisierten, nicht geprüften Chargen immer überlegen.
Praktische Empfehlungen
"Noch"-gesunde Pferde
- Raufutterqualität, dazu gehört auch das Stroh, kontrollieren.
- Anhand von Analysen Futtermanagement erstellen
- Wenn im Stall kein art- und bedarfsgerechtes Raufutter vorhanden ist, das Gespräch suchen bevor das Pferd krank wird.
- Bei Stallumzug immer das Fütterungsmanagement hinterfragen, so weiss man schon von Anfang an, was das Pferd erwartet und erlebt keine Überraschungen.
Staubsensible oder gelegentlich hustenden Pferde
- Immer unverzüglich den Tierarzt hinzuziehen.
- Sofortmassnahmen bezüglich Haltung und Fütterung vornehmen
- Haylage probieren, aber nur von verlässlicher Qualität und korrekt gelagert. Nach dem Öffnen zügig verfüttern.
Rehe‑Risiko
- Vor Fütterung immer Analyse einfordern, damit eine adäquate Tagesration berechnet werden kann.
- Bei hohem zuckerhaltigen Heu kurzfristig auf wässern oder bedampfen umstellen, reduziert die Inhalts- und Nährstoffe.
- Es gibt auch Haylagen, die speziell spätgeschnitten und zuckerarm sind.
Chronische Atemwegsprobleme
- Es muss grundsätzlich die Gesamtsituation angepasst werden, dass heisst Haltung und Fütterung .
- Therapie mit dem fachkundigen Tierarzt festlegen
- Fütterung wird empfohlen auf Haylage zu wechseln. Es gibt auch kohlenhydratarme Haylage dank eines späten Schnittes.
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