Haylage wird schnell mit Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht. Heu dagegen hat bei vielen Pferdebesitzern den Ruf, die natürlichere und damit automatisch gesündere Variante zu sein.
„Es kursieren viele Schlagworte – aber die Wissenschaft ist sich einig:“
Haylage ist ein adäquates Futtermittel für Pferde.
Typische Schlagworte wie
- Koliken,
- Durchfall,
- Kotwasser,
- Magengeschwüre oder
- Allergien,
- schwächt das Immunsystem,
- führt zur Übersäuerung des Darms oder zerstört die Darmflora,
das stimmt so nicht. Ich könnte noch mehr Mythen aufzählen:
- mehr Keime als Heu,
- Pferde dürfen nichts Vergorenes fressen,
- zu viel Energie,
- zu nass / zu wenig Struktur,
- sie können nicht richtig kauen,zu sauer – schadet dem Magen,
- Milchsäure ist schlecht.
- Oder Pferde werden nervös, unrittig, verlieren an Leistung, werden faul, aggressiv
oder sogar ‚süchtig‘ und verweigern danach Heu.
Warum halten sich diese Vorurteile so hartnäckig?
Eigentlich vergleichen wir hier zwei Konservierungsverfahren. Ausgangsprodukt ist bei beiden Gras. Entscheidend ist deshalb weniger, ob wir Heu oder Haylage füttern, sondern was das Pferd effektiv braucht für echte Lebensqualität.
Silage ist nicht Haylage
Nicht nur die Konservierung ist unterschiedlich, meist wird auch anderes Gras für Haylage verwendet. Für Heu muss das gemähte Gras auf dem Feld weit genug trocknen, damit es lagerfähig wird. Das braucht Zeit, trockenes Wetter und eine möglichst schonende Bearbeitung. Haylage wird früher vom Feld genommen. Sie enthält noch mehr Feuchtigkeit, wird luftdicht verpackt und durch Gärung haltbar gemacht. Das klingt zunächst nach einem kleinen Unterschied. In der Praxis hat er aber grosse Auswirkungen auf Ernte, Lagerung, Hygiene und Fütterung.
Heu: bewährt, aber nicht automatisch einwandfrei
Gutes Pferdeheu ist ein hervorragendes Raufutter. Es bietet Struktur, sorgt für lange Kauzeiten und wird von den meisten Pferden gerne gefressen. Die Herausforderung beginnt bei der Ernte. Heu muss ausreichend trocken eingebracht werden. Fehlen die nötigen Schönwettertage, wird das schnell schwierig. Zu feucht eingelagertes Heu kann sich erwärmen, Schimmel entwickeln oder mikrobiell belastet sein. Und dann ist da noch der Staub. Zudem kann Heu auf den ersten Blick schön aussehen und trotzdem hygienisch nicht optimal sein. Gerade für die Atemwege spielt das eine grosse Rolle.
Die Bezeichnung „Heu“ ist also noch kein Qualitätsmerkmal.
Haylage: besser als ihr Ruf?
Haylage hat einen Vorteil, der in unserer heutigen Wetterrealität nicht ganz unwichtig ist: Das Gras muss auf dem Feld nicht so stark trocknen wie bei Heu. Das bedeutet, es muss nicht mindestens drei Tage am Stück optimales Wetter sein. Das notwendige Erntefenster ist dadurch kürzer. Gut produzierte Haylage kann ausserdem sehr staubarm sein. Gerade bei Pferden mit empfindlichen Atemwegen kann das ein wichtiger Punkt sein.
Aber Haylage verzeiht Fehler ebenfalls nicht. Der Ballen muss sauber geerntet, ausreichend gewickelt und luftdicht gelagert werden. Ein Loch in der Folie kann aus einem guten Ballen schnell einen schlechten machen. Und nach dem Öffnen muss die Haylage zügig verfüttert werden.

Bei Empfindlichkeit gegenüber Heustaub kann die Fütterung von Haylage sogar ausschlaggebend sein. Denn hier geht es nicht nur darum, welches Raufutter theoretisch als ideal gilt. Es geht darum, die Belastung der Atemwege im Alltag möglichst konsequent zu reduzieren.
Für mich ist dieser Punkt wichtig, weil die pauschale Ablehnung von Haylage für betroffene Pferde sogar kontraproduktiv sein kann. Wenn ein Pferd auf trockenes Heu mit Husten oder anderen Atemwegsproblemen reagiert, sollte nicht aus Prinzip an Heu festgehalten werden, nur weil Vorurteile vorhanden sind. Das Ziel muss sein, dem Pferd eine möglichst staubarme Umgebung und damit wieder mehr Lebensqualität zu ermöglichen.
Auch hier gilt also: Entscheidend ist nicht der Name, sondern die Qualität.
„Haylage übersäuert den Darm“
Dieses Argument hält sich hartnäckig. Die enthaltene Milchsäure soll den Darm übersäuern, die Darmflora schädigen oder Verdauungsprobleme verursachen. So pauschal lässt sich das nicht sagen. Natürlich gibt es Pferde, die auf eine bestimmte Haylage mit Kotwasser oder verändertem Kot reagieren. Das sollte man ernst nehmen. Aber daraus folgt nicht, dass Haylage grundsätzlich den Darm schädigt. Ein Pferd kann schliesslich auch auf eine schlechte Heucharge reagieren. Niemand würde deshalb daraus ableiten, dass Heu grundsätzlich krank macht.
Und Botulismus?
Das Thema gehört zu einer sachlichen Diskussion dazu. Unter ungünstigen Bedingungen kann sich Clostridium botulinum vermehren und ein gefährliches Toxin bilden.
Das Risiko ist real, aber Botulismus ist kein Problem, das ausschliesslich bei Haylage vorkommt - denn es im Heu kann diese Gefahr auch lauern. Entscheidend sind eine saubere Ernte und vor allem, dass keine Tierkadaver oder andere problematische Verunreinigungen ins Futter gelangen.
Für mich ist das deshalb nur ein Argument gültig: gute Futterhygiene!
„Aber Haylage hat doch viel mehr Energie“
Auch das stimmt nicht automatisch. Der Energiegehalt hängt nicht einfach davon ab, ob Gras zu Heu oder Haylage konserviert wurde. Pflanzenbestand, Schnittzeitpunkt und Aufwuchs spielen eine wesentlich grössere Rolle. Eine spät geschnittene, strukturreiche Haylage kann weniger Energie liefern als ein früh geschnittenes, gehaltvolles Heu. Dasselbe gilt für Zucker, Fruktan, Protein und andere Nährstoffe. Wer wissen will, was wirklich im Ballen steckt, braucht Analysewerte. Mit Anschauen und Riechen allein lässt sich das nicht beurteilen.
Ein Punkt wird beim Vergleich oft vergessen
Haylage enthält mehr Wasser als Heu. Zehn Kilogramm Heu sind deshalb ernährungsphysiologisch nicht dasselbe wie zehn Kilogramm Haylage. Wer einfach Kilogramm gegen Kilogramm austauscht, kann seinem Pferd unbemerkt weniger Trockensubstanz und damit weniger Raufutter anbieten. Beim Berechnen der Ration muss deshalb immer die Trockensubstanz berücksichtigt werden.
Also: Heu oder Haylage?
Wenn beide Futtermittel gut produziert sind und zum Pferd passen, gibt es keinen Grund, Heu pauschal als gesund und Haylage als ungesund einzustufen.
Viel wichtiger ist, welche Qualität tatsächlich vor uns liegt. Ein gutes Raufutter sollte unter anderem:
- hygienisch einwandfrei und frei von Schimmel sein,
- möglichst wenig Staub enthalten,
- frei von Giftpflanzen und problematischen Verunreinigungen sein,
- ausreichend Struktur liefern,
- korrekt konserviert und gelagert sein,
- hinsichtlich Energie und Nährstoffen zum jeweiligen Pferd passen.
Ein gutes Heu kann die richtige Wahl sein. Eine gute Haylage ebenfalls. Und eine schlechte Heucharge ist nicht deshalb besser, weil sie trocken ist. Zu wissen was man wirklich füttert bringt dem Pferd langfristig mehr Gesundheit.
Innerhalb weniger Minuten werten wir zuverlässig Heu oder Haylage aus – direkt vor Ort.
Genau dann, wenn diese benötigt werden - im Lager - beim Einkauf - vor dem Verlad - bei Ablieferung.
Am Ende zählt, was im Ballen steckt. Also nicht über die Bezeichnung des Futtermittels diskutieren sondern sich ehrlich fragen: Was braucht mein Pferd wirklich? Denn unser Pferd frisst weder „Heu“ noch „Haylage“ als Begriff. Es frisst das, was tatsächlich im Ballen steckt.
Und Haylage ist nicht einfach Haylage.
Weitere Informationen: www.bestofhorsehay.com
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