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Haylage ist keine Silage

Fachartikel für Praktiker und Interessierte
9. Juni 2026 durch
BEST OF HORSE HAY, Corinne Hauser


Haylage und Silage werden oft verwechselt, weil beides konservierte Futtermittel aus Gras oder Leguminosen sind. Trotzdem unterscheiden sie sich in Herstellung, Feuchtegehalt, Konservierungsmechanismus und Einsatz. Dieser Artikel erklärt die Unterschiede klar und praxisnah.

Mythen rund um das Gärfutter

Es kursieren viele Schlagworte - aber die Wissenschaft ist sich einig:
Haylage ist ein adäquates Futtermittel für Pferde und macht nicht krank.
Die typischen Schlagwörter wie: Kolik, Durchfall, Kotwasser, Magengeschwür, Allergie, Schwächung des Immunsystems, Übersäuerung im Darm, Zerstörung der Darmflora sind einfach nicht richtig.

Das eher seltenere Botulismus-Risiko gibt es sowohl im Heu wie auch in der Haylage.

All diese Vorurteile halten sich hartnäckig, weil früher gab es tatsächlich schlechte Silagequalität. Meist wird auch nicht zwischen Rindersilage und Haylage für Pferde unterschieden. Die oft fehlenden Analysewerte verleiten zu Verallgemeinerungen. Dazu kommt, dass die Haylage für viele nach wie vor ungewohnt ist - im Geruch und in der Haptik.


Begriffsdefinitionen

    MerkmalSilageHaylage
    DefinitionNass geerntetes, gehäckseltes Futter (z. B. Grassilage, Maissilage), das anaerob vergoren wird.Feuchteres Heu / hochtrockenes Silageprodukt (Baleage), luftdicht verpackte Ballen mit milder Fermentation.
    Trockenmasse (TS)Niedrig 
    (typ. ≈ 30–45 % TS; oft um 40 % oder feuchter).
    Mittlerer bis höherer TS 
    (typ. 35–55 % TS; Quellen variieren). 
    Bei sogenanntem Feuchtheu auch < 80% TS
    ErntezeitpunktFrühe Ernte bei hohem Feuchtegehalt; Häckseln üblich.Meist spätere Ernte und kurzes Welken, Ballenpressen (Rund/Quader), oft weniger Häckseln.
    AufbereitungHäckseln, starke Verdichtung (Silo/Grube/Turm oder Ballen), schnelle Abdichtung.Ballen pressen und luftdicht einwickeln (Folienballen).
    KonservierungsmechanismusIntensive anaerobe Fermentation → starke Milchsäure- / Essigsäurebildung, deutliche pH‑Senkung.Schwächere anaerobe Gärung; Konservierung durch reduzierte Wasseraktivität + luftdichte Verpackung; milde Säuerung.
    LagerungFahrsilo, Silogrube, Siloturm oder dicht gepresste Ballen; Oberflächenabdichtung wichtig.Luftdicht eingewickelte Ballen; Folienintaktheit entscheidend.
    RisikenSchlechte Gärung 
    → Clostridien, Botulismusrisiko, hohe Nährstoffverluste.
    Beschädigte Folie 
    → Schimmel, lokale Erwärmung; geringere Gärstabilität bei Beschädigung.
    NährstofferhaltAbhängig von Gärverlauf; bei guter Silierung hohe Energie, sonst Verluste.Häufig guter Erhalt von Energie und Protein (weniger Witterungsverluste als Heu).
    Typische VerwendungMilchvieh, Rinder, Biogasanlagen — wo hohe Feuchte/energiedichte erwünscht.Pferde, Kleintiere, Betriebe, die witterungsunabhängig konservieren wollen.
    VorteileSehr konservierend bei korrekter Durchführung; hohe Verfügbarkeit.Weniger Heuverluste, gute Qualität bei ungünstigem Wetter, einfacher für kleinere Betriebe.
    NachteileHöhere Anforderungen an Verdichtung und Gärmanagement.Abhängigkeit von Folienqualität; bei Fehlern schneller Schimmel/Gärprobleme.


Der zentrale, praxisrelevante Unterschied ist der Feuchte-/Trockenmassegehalt zum Zeitpunkt der Einlagerung:

Merkmal

Silage

Haylage

Technischer Unterschied

relativ nass 
→ intensive Fermentation nötig.

deutlich trockener 
→ eingeschränkte Fermentation, mehr Lagerung wie "feuchtes Heu".

Herstellungs- und Lagerungsverfahren

Häckseln mit Feldhäcksler, Verdichten in Fahrsilo/Grube/Silo­turm oder in Silageballen, schnelle und dichte Abdichtung zur Förderung der Milchsäuregärung.

Mähen, kurzes Welken, Ballenpressen (Rund- oder Quaderballen) und luftdichtes Einwickeln (meist Folien). Häufig weniger Häckseln, geringere Verdichtung, Gärung schwächer und langsamer.

Mikrobiologie und Konservierung

Intensive Milchsäuregärung senkt pH stark, hemmt Verderb; jedoch entstehen bei schlechter Silierung höhere Verluste und Risiken (Clostridien, Botulismus bei unsachgemässer Silierung).

Aufgrund geringerer Feuchte ist die Gärung begrenzter; die Haltbarkeit beruht mehr auf reduziertem Wassergehalt, luftdichter Verpackung und moderater Säurebildung. Deshalb sind andere Risiken (Schimmel an beschädigter Folie, lokale Erwärmung beim Abwickeln) zu beachten.


Nährstoff- und Futterwertunterschiede 

Haylage hat bei guter Produktion oft einen hohen Erhalt an Nährstoffen wie Energie und Protein (weniger Witterungsverluste als bei trockenem Heu), ist für empfindliche Tiere (z. B. Pferde mit Vorerkrankungen) geeigneter als Silage, weil weniger Fermentationsabbau stattfindet. Silage kann sehr energiereich sein, ist aber stärker von Gärungsverlauf und Management abhängig. 


pH-Ziele je Trockensubstanz-Klasse - Gärqualität punktuell bewertet

Silage: ​​TS <30 % ​= pH ≤ 4,0
Silage: ​​TS 30–45 % ​= pH ≤ 4,5
Silage: ​TS >45 %  ​= pH ≤ 5,0
Haylage: TS 50 - 65 % = pH ≤ 5,0​
Feuchtheu: ​TS < 80 % ​= pH ≤ 5,0​


Praxisrelevante Konsequenzen für Betrieb und Tier

Haylage eignet sich gut für Pferde. Silage dagegen ist Standard in Milchvieh- und Biogasanlagen. Eine langsame Futterumstellung (Anfangsprobe, Rationsanpassung) ist sowohl für Pferde wie auch beim Milchvieh wichtig. 


Haylage ist nicht dasselbe wie Silage. Der wesentliche Unterschied liegt im Feuchte-/Trockenmassebereich und dadurch bedingt in Art und Ausmass der Fermentation sowie in Lager‑ und Fütterungsanforderungen. Beide Produkte sind sinnvolle Futtermittel — richtige Technik und gutes Management entscheiden über Qualität und Wirtschaftlichkeit. 

Quellen (Auswahl)

  • NC State Extension: "Silage and Haylage Production" (Erklärungen zu Feuchte und Herstellung). (content.ces.ncsu.edu)
  • Oregon State University Forage Information: "Silage" (Allgemeine Prinzipien der Silierung). (forages.oregonstate.edu)
  • AHDB (UK): "Silage" (Praxiswissen zu Silage-Management). (ahdb.org.uk)
  • ScienceDirect / Übersichtstexte zu Haylage (Definitionen, Trockenmassebereiche). (sciencedirect.com)
  • Government of Saskatchewan: "Haylage" (Lagerung und praktische Hinweise bei Ballenhaylage). (saskatchewan.ca)


 © Alle Rechte vorbehalten, BEST OF HORSE HAY, 
Titelbild © Amelie Ackermann / Chart © Corinne Hauser

Weitere Informationen: www.bestofhorsehay.com

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